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Rubrik: Ernährung
Blog-Serie Teil 1: Inhaltsstoffe des roten Traubensafts können Blutgefäße schützen
Donnerstag, 18.11.2010 10:20
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(bg) Wie in der letzten Woche angekündigt, starten wir heute unsere Blog-Serie über die möglichen Wirkungen der Inhaltsstoffe von rotem Traubensaft. Denn der aromatische Saft schmeckt nicht nur gut, seine sekundären Pflanzenstoffe scheinen auch viele positive Wirkungen zu haben. In den letzten rund 10 Jahren wurden die Effekte und Wirkmechanismen in Bezug auf Herzerkrankungen mehrfach untersucht. Heute betrachten wir zunächst die Wirkungen auf Blutgefäße und freie Radikale. In Kürze werden wir uns auch noch mit den Blutfetten sowie der LDL-Oxidation befassen.

Das Innere der Blutgefäße wird vom Endothel ausgekleidet. Seine Funktionen sind für Herz und Kreislauf wichtig. So reguliert das Endothel beispielsweise Blutdruck und -gerinnung, sorgt für die Erhaltung der Fließfähigkeit des Blutes und ist an Entzündungsprozessen beteiligt. Ist die Endothelfunktion gestört, ist das ein Anzeichen für Arteriosklerose. Die Frage, ob und inwiefern die Inhaltsstoffe des roten Traubensafts die Endothelfunktion beeinflussen können, haben drei verschiedene Forschergruppen untersucht. Sie verwendeten als Marker für die Endothelfunktion die Gefäßerweiterung. Bei intakter Funktion erweitern sich die Gefäße, sobald der Blutfluss zunimmt. Als Probanden wählten zwei der drei Forschergruppen Personen, die bereits eine Herzerkrankung hatten, die dritte Gruppe untersuchte die Wirkung bei Personen mit erhöhtem Cholesterinspiegel. Je nach Studie tranken die Probanden über einen Zeitraum von 14 bis 56 Tagen 4 bzw. 8 ml Traubensaft (aus der roten Rebsorte Concord) pro kg Körpergewicht oder unabhängig vom Körpergewicht insgesamt 500 ml dunkelroten Traubensaft nicht definierter Herkunft. Die Ergebnisse sind bei allen drei Studien gleich: Durch das Trinken von Traubensaft konnte die zuvor beeinträchtigte Fähigkeit zur Erweiterung der Gefäße bei den Teilnehmern signifikant verbessert werden.


Intensiver als die Endothelfunktion ist die Wirkung der Inhaltsstoffe von Traubensaft auf oxidativen Stress und Entzündungen untersucht worden. Man spricht von oxidativem Stress, wenn mehr freie Radikale im Körper vorhanden sind als durch deren Gegenspieler, die Antioxidantien, abgefangen werden können. Insofern ergeben sich zwei Möglichkeiten, um Schädigungen durch oxidativen Stress zu vermeiden:


1. Verminderung der Bildung freier Radikaler
2. Schutz der Zellen vor der Wirkung freier Radikaler


Die Inhaltsstoffe des roten Traubensaftes setzen an beiden Stellen an. In drei Studien wurde die zellschützende Kapazität, also die Fähigkeit freie Radikale abzufangen, untersucht. Durch 10 ml Concord-Traubensaft/kg Körpergewicht in einer Studie bzw. 100 ml Traubensaft der spanischen Rebsorte Bobal. in einer anderen Studie konnte die antioxidative Kapazität in Serum und Plasma erhöht werden. Das galt für die 36 gesunden Teilnehmer der ersten Studie genauso wie für die 26 Dialysepatienten und 15 Gesunden der zweiten Untersuchung. Nur bei einer dritten Studie blieb die zellschützende Kapazität des Plasmas bei 25 übergewichtigen Probanden trotz Gabe von 480 ml Traubensaft über 12 Wochen unverändert. Der Grund hierfür ist nicht bekannt.

Die Inhaltsstoffe des roten Traubensafts scheinen auch bereits die Bildung freier Radikaler reduzieren zu können. Das belegen drei Studien, in denen die Teilnehmer täglich entweder 7 ml Traubensaft pro kg Körpergewicht oder insgesamt 100 ml Traubensaft tranken. Bei Gesunden, bei Teilnehmern mit Herzerkrankung und auch bei Dialysepatienten wurde die Bildung der so genannten Superoxide reduziert. Diese Superoxide entstehen im Zellstoffwechsel und können bei vermehrtem Auftreten die Zelle schädigen. Durch das Trinken von rotem Traubensaft konnte deren Bildung teilweise signifikant vermindert werden.

Auch Entzündungen können Ursache für Herzerkrankungen sein. Selbst hier gibt es Anzeichen, dass die Inhaltsstoffe des roten Traubensafts schützende Wirkungen entfalten können. Bei 31 Dialysepatienten, die täglich 100 ml Traubensaft tranken und bei 20 Patienten mit bereits vorhandener Herzerkrankung, die 7 ml Traubensaft pro kg Körpergewicht tranken, wurden weniger Entzündungsmarker im Blut gefunden.

Durch jeweils mindestens zwei Humanstudien konnte gezeigt werden, dass die Inhaltsstoffe in rotem Traubensaft die Fließfähigkeit des Blutes verbessern, den Zellschutz erhöhen und die Bildung freier Radikaler mindern können. Gleichzeitig wurden nach dem täglichen Trinken von Traubensaft weniger Entzündungsmarker im Blut nachgewiesen. Diese Wirkungen sind sowohl bei Gesunden, als auch bei Personen mit erkrankten Herzen sowie Dialysepatienten beobachtet worden. Interessant ist, dass die beobachteten Effekte schon nach einem kurzen Zeitraum aufgetreten sind. Bereits nach etwa zwei Wochen zeigten sich die jeweiligen Verbesserungen. Zu beachten ist allerdings, dass bei den vorliegenden Studien jeweils nur sehr kleine Personengruppen betrachtet wurden. Im Durchschnitt waren es etwa 22 Teilnehmer. Diese Studien dienen deshalb vor allen Dingen als Anhaltspunkte für weitere Studien mit größeren Probandengruppen. Wir werden diesen vielversprechenden Bereich weiter im Auge behalten und berichten.     

Quelle:
Vislocky LM & Fernandez ML (2010): Biomedical effects of grape products, Nutrition Reviews 68 (11): 656-670.