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Rubrik: Ernährung
Was wir von Kameruns Soldaten lernen können
Donnerstag, 29.07.2010 13:16
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(bg) Die Welt der Wissenschaft ist spannend und auch immer wieder für eine Überraschung gut. So sind wir bei unseren Recherchen auf eine Studie gestoßen, die uns vom Ergebnis her wenig überrascht hat, die Auswahl der Probanden dagegen war für uns mehr als ungewöhnlich. In dieser Studie wurde nämlich das Militär von Kamerun genutzt, um die Relevanz von Obst und Gemüse für die Gesundheit zu untersuchen. Und auch für Soldaten des afrikanischen Staates gilt: Isst man viel Obst, wirkt sich das günstig auf den Blutdruck aus.

Obwohl die gewählte Probantengruppe ungewöhnlich erscheint, hat die Studie einen ernsten Hintergrund. Die Häufigkeit von erhöhtem Blutdruck nimmt weltweit zu, so die Autoren der Studie. In der städtischen Bevölkerung Kameruns hat sich die Häufigkeit von Bluthochdruck innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt - von 8,3 auf 20,8 Prozent. Studien zur Identifizierung veränderbarer Risikofaktoren sind deshalb aus Sicht der Forscher zur Prävention unbedingt notwendig.

Bei den 541 Soldaten, so das Ergebnis der Untersuchung, mit dem höchsten Konsum an frischem Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten war das Bluthochdruck-Risiko um etwa 60 Prozent verringert im Vergleich zu den Studienteilnehmern, die die niedrigsten Verzehrsmengen an Obst und Gemüse aufwiesen. Gleichzeitig verfügten die Obst- und Gemüse-Esser über günstige Werte für Hüftumfang und Body-Mass-Index und waren sportlich sehr aktiv. Da neben Ernährung auch Körpergewicht und Bewegung als Einflussfaktoren für den Blutdruck gelten, wurden diese Faktoren innerhalb der Studie herausgerechnet.

Die Autoren weisen darauf hin, dass weitere Studien aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen zu dieser Fragestellung durchgeführt worden sind. Alle kamen zu dem Ergebnis, dass ein überwiegend vegetarisches oder mediterranes Ess- und Trinkverhalten den Blutdruck senken beziehungsweise einen Schutz gegen Bluthochdruck bieten kann. Dies gilt für die mediterranen Länder ebenso wie für Japan, Amerika oder Australien. Ein bekanntes Beispiel für eine solche Untersuchung ist die im Jahre 1996 veröffentlichte US-amerikanische DASH-Studie (Dietary Approaches to Stop Hypertension). Nach Umstellung von einer typisch amerikanischen Kost auf eine Ernährung mit mehr Obst und Gemüse und weniger tierischem Fett sank der Blutdruck bei den 459 Probanden bereits nach zwei Wochen merklich. Rückschlüsse, auf welche einzelnen Inhaltsstoffe diese Wirkung zurückzuführen sind, waren damals noch nicht möglich. Vermutet wurde, dass Fettsäurezusammensetzung, Mineral- und Ballaststoffgehalt der Lebensmittel relevant sein könnten. 

In der vorliegenden Studie aus Kamerun wird die beobachtete Wirkung eines hohen Konsums an Obst und Gemüse auf den Blutdruck durch eine erhöhte Aufnahme an Flavonoiden und Magnesium erklärt. Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zellschützend (antioxidativ) und entzündungshemmend (antiinflammatorisch) wirken können. Sie dienen der Pflanze als Farbstoffe, sind also für das rote, hellgelbe, blaue und violette Aussehen der Früchte und des Gemüses verantwortlich und z. B. in Äpfeln, Birnen, Trauben, Grünkohl und Auberginen enthalten. Die Wissenschaftler vermuten, dass die beobachtete Blutdruck regulierende Wirkung über die antioxidative Wirkung der Flavonoide zu erklären ist. Des Weiteren mutmaßen die Autoren, dass Magnesium positiv auf den Bluthochdruck wirken könnte. So sei in vorherigen Studien bereits dargestellt worden, dass Magnesium die Calciumaufnahme in die Zellen verringert und auf diese Weise die Spannkraft der Gefäße reduziert. Über diesen Mechanismus könnte der Blutdruck bei den Soldaten gesenkt worden sein, vermuten die Autoren.

Die vorliegende Studie ist in unseren Augen schon sehr speziell, dennoch unterstreicht sie nochmals die Bedeutung einer obst- und gemüsereichen Ernährung innerhalb eines gesunden Lebensstils. Das gilt natürlich nicht nur für Soldaten, sondern genauso auch für Zivilisten.

Quelle:
Nkondjock A und Bizome E (2010): Dietary patterns associated with hypertension prevalence in the Cameroon defence forces. European Journal of Clinical Nutrition: 1-8.