
| Donnerstag, 17.06.2010 15:15 0 Kommentare |
Wenn man im Zusammenhang mit medizinischen Fragen von In-Themen sprechen könnte, wäre es in diesem Monat der Katarakt. Die Augenkrankheit ist sicherlich bekannter unter dem Namen Grauer Star. Auf dem Welt-Augenheilkunde-Kongress in Berlin wurde eine neue Kunstlinse vorgestellt, die zukünftig die Brille bei Personen mit grauem Star ersetzbar machen soll. Eine kanadische Studie will zeigen, dass die Einnahme von manchen Antidepressiva das Risiko für den grauen Star steigert. Und schließlich wurde diesen Monat eine weitere Studie veröffentlicht, die zeigt, dass gesunde Ernährung das Risiko für Grauen Star bei Frauen reduzieren kann.
Als Katarakt bezeichnet man eine Trübung der Augenlinse, die zur Abnahme der Sehfähigkeit führen kann. Die Ursachen sind ebenso vielfältig wie die Formen der Erkrankung. Die häufigste ist der altersbedingte Katarakt. Die Trübung kann sowohl an der Rinde als auch am Kern der Augenlinse auftreten. Bei dem in der aktuellen Studie untersuchten Kernkatarakt verhärtet sich der Linsenkern allmählich. Die Veränderung beginnt altersbedingt vorwiegend ab dem 4. Lebensjahrzehnt und tritt häufiger bei Frauen auf als bei Männern. Weltweit nimmt das Vorkommen des Grauen Stars zu. Umso wichtiger ist es, beeinflussbare Risikofaktoren zu identifizieren. Mit diesem Ziel wurde auch eine Studie durchgeführt, die diesen Monat im Journal Archives of Ophthalmology veröffentlicht wurde. Zu den bisher bekannten, beeinflussbaren Risikofaktoren gehören zum Beispiel Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und eine fettreiche Ernährung. Um weitere modifizierbare Risikofaktoren zu finden, wurde das Ernährungsverhalten von 1808 postmenopausalen Frauen (Alter: 50 bis 79 Jahre) untersucht. Nachdem die Studienteilnehmerinnen einen Ernährungsfragebogen beantwortet hatten, wurde die Lebensmittelauswahl mit den US-amerikanischen Ernährungsrichtlinien von 1995 (Download 2005) verglichen und so die Qualität der Ernährung bestimmt. Frauen mit einer hohen Ernährungsqualität wiesen ein bis zu 37 % niedrigeres Risiko für die Entwicklung eines Kernkatarakts auf. Bei der Untersuchung einzelner Ernährungsfaktoren oder Nährstoffe kristallisierten sich die Carotinoide Lutein und Xeaxanthin sowie Vitamin C als die drei wahrscheinlich ausschlaggebenden Komponenten für das reduzierte Kernkataraktrisiko heraus. Trotz der Wirkung, die Vitamin C und die Carotinoide auf das Erkrankungsrisiko hatten, zeigte die Einnahme von Multivitaminsupplementen keinen signifikanten Zusammenhang. Mit anderen Worten: Die positive Wirkung ist nur durch die Aufnahme über Lebensmittel, nicht aber über Nahrungsergänzungsmittel zu erzielen.
Als Risikofaktor bestätigte die Studie eine hohe Fettzufuhr. So stieg das Risiko einen Kernkatarakt zu entwickeln, mit steigender Fettzufuhr. Die Autoren schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass durch den Verzehr von Lebensmitteln, die reich an verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen sind, das Auftreten der Kernkatarakterkrankung zeitlich hinausgezögert werden könnte.
In Deutschland hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) zur vollwertigen Ernährung 10 Regeln festgelegt. Danach sollte man täglich fünf Portionen Obst oder Gemüse verzehren, um mit reichlich Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen versorgt zu werden. Eine dieser fünf Portionen kann durch ein Glas (200 ml) Frucht- oder Gemüsesaft gedeckt werden.
Quelle: Mares JA et al. (2010): Healthy Diets and the Subsequent Prevalence of Nuclear Cataract in Women. Archives of Ophthalmology 126 (6), 738-749.



