
| Dienstag, 23.03.2010 12:10 0 Kommentare |
(er) Eigentlich könnten wir uns freuen, wenn die Schulkinder täglich mit frischem Obst und Gemüse versorgt werden. Schließlich sagen Experten, dass das entscheidend dazu beiträgt, dass sich die Kinder ausgewogen ernähren und das Ernährungsverhalten für die Zukunft positiv geprägt wird. Aber so einfach ist das in Deutschland nicht. Was in 18 EU-Ländern von Portugal bis Polen als Erfolg gilt, muss bei uns zu Lande erst bürokratische Hürden und Länderhoheiten überwinden. Zu teuer und zu viel Aufwand – so die Begründung der Bundesländer für die mangelnde Begeisterung am EU-Schulobstprogramm. Bis heute haben sich erst vier Bundesländer dazu bereit erklärt, an Schülerinnen und Schüler täglich kostenlos Obst und Gemüse auszugeben: Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Thüringen. Weitere Länder setzen das EU-Schulobstprogramm in Kürze um: Nordrhein-Westfalen ab Ende März 2010, Bayern ab dem zweiten Schulhalbjahr 2010 und Sachsen-Anhalt ab Herbst 2010.
Die Bundesländer erhalten EU-Mittel, wenn sie einen Eigenanteil jeweils in der Höhe des von der EU bewilligten Betrages dazugeben. Dieser Eigenanteil kann durch Landesmittel oder durch Sponsoren aus der Wirtschaft, von Elternvereinen oder Schulträgern geleistet werden. Neben der Anlieferung von frischem Obst und Gemüse sind nach der Verordnung der Europäischen Gemeinschaft (Nr. 288/2009 als pdf-Download) auch Obst- und Gemüseerzeugnisse erlaubt, sofern diese keinen Zusatz von Zucker, Fett, Salz oder Säuerungsmittel enthalten. NRW gibt hier z. B. Direktsaft oder Apfelstücke an.
Dabei sind die teilnehmenden Schulen nicht nur gefordert, das Obst und Gemüse auszuteilen, sie müssen natürlich auch die vorgegebenen hygienischen Vorschriften bei Lagerung und Verteilung der Waren beachten und die Logistik übernehmen, damit den Kindern täglich kostenfrei Obst und Gemüse zur Verfügung steht. Darüber hinaus fordert das Programm ausdrücklich, das Ernährungsverhalten der Kinder nachhaltig positiv zu prägen und den Kindern regionale Obst- und Gemüsearten mit ihren Inhaltsstoffen und Wirkungen näher zu bringen.
Initiative Fruchthandel wirbt aktiv „5 am Tag“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, „Schulfrucht“ wo immer möglich zu unterstützen. So hat der Verein 5 am Tag im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein Pilotprojekt „Schulfrucht“ in Rheinland-Pfalz umgesetzt. Für das kommende Schuljahr hat man sich vorgenommen, weitere Bundesländer zu motivieren, aktiv am Schulobstprogramm teilzunehmen. Derzeit wird mit der „Initiative Fruchthandel“ ein Konzept zur Gewinnung von Sponsoren für das Schulobstprogramm erarbeitet. Darüber hinaus soll untersucht werden, ob ggf. bürokratische Hemmnisse vermindert werden können.
Vielleicht können die Erfahrungen der aktiven Bundesländer mit dazu beitragen, dass im kommenden Schuljahr nach und nach alle Schulkinder von dieser wie wir finden sehr sinnvollen Initiative profitieren.



